
Wer
kennt sie noch die Kleinbahn von Tiegenhof nach Steegen und
Stutthof? 1944/ 45 noch bis Kahlberg verlängert, wurde sie 1949
wegen mangelnder Nachfrage nicht nur eingestellt, sondern auch
bis Stutthof abgebaut. Ältere Elbinger erinnern sich noch der
Fahrten mit dieser Bahn nach Kahlberg, das damals total zerstört
war und keinen freundlichen Eindruck mehr machen konnte. Nach
4o Jahren wandelt sich das Bild offensichtlich: Kahlberg ist
teilweise wieder erstanden, wenn auch längst nicht mehr im damaligen
Stil, dem sogenannten Seebäderstil mit seinen herrlichen luftig-sonnigen
Holzveranden Hauser mit vorwiegend weißen Anstrich. Alles atmete
frische Seeluft, Sonne und Freizeitfreuden. Regelmäßige Dampferfahrten
sicherten einen pünktlichen und reibungslosen Verkehr zwischen
Elbing und Kahlberg das übrigens auf eine Idee von Schichau
zurückgeführt werden kann, der eine Gesellschaft bildete und
mit dem Bau der ersten Ferienhäuser begann. Vermögende Elbinger
schlossen sich dem gerne an, und so wuchs Kahlberg an Beliebtheit
und Bekanntheit. Reederei Zedler fuhr mit Schichau- Dampfern
Gäste und alle sonstigen Güter die ein Kurort so benötigt, pünktlich
und zuverlässig nach Kahlberg. Der Landweg, die Nehrungsstraße,
war für jeglichen motorisierten und Güterverkehr gesperrt Der
Naturschutz hatte schon vor über hundert Jahren seine Bedeutung
damals und dort erstmalig gezeigt.
Die heutige Anfahrt zu den Bäder der Nehrung geschieht über
Landstraßen und der ausgebauten Nehrungsstraße, im Sommer dicht
gedrängt Auto an Auto die die Luft verpesten. Von Naturschutz
keine Rede!

Ganz
im Gegegsatz zur kurischen Nehrung wo die dortige Nehrungsstraße
nicht von Fahrzeugen aller Art benutzt werden darf; hierfür
gibt es sehr beschränkt Sondererlaubnisse für Busse. Bei dem
zunehmenden Bädertourismus wird die Verkehrsfrage neu überdacht:
die Schienen der damaligen Kleinbahn Tiegenhof- Steegen, Nickelswalde
und Stutthof liegen noch funktionsfähig an alter Stelle. Hin
und wieder wurde in den vergangenen Jahren versucht, zur Ferienzeit
einen bescheidenen Schienenverkehr mit Diesellokomotiven und
uralten Triebwagen wieder zu betreiben. Wirtschaftlich wenig
ertragreich da eine Vermarktung nie versucht wurde. Das uralte
Rollmaterial war auch nicht dazu angetan einladend zu wirken.
Dieses Jahr wird offensichtlich ein neuer Versuch unternommen:
ein relativ moderner Triebwagen wird der Magnet dieser Bahn
werden, neben alten offenen Sommerwagen und Dieselloks.
Würde eine professionelle Vermarktung stattfinden, würde die
Situation bald anders aussehen. Auch Danziger könnten mit Bussen
bis Fähre Nickelswalde und dort mit der Bahn weiterfahren. Es
gibt immer noch genügend Mitmenschen die kein Auto besitzen
und gerne an die dortige See fahren würden. Man sollte ihnen
Möglichkeiten bieten. Alles ist im Grunde genommen nur eine
Frage des guten Willens und der Organisation und Geduld. Hoffen
wir, daß es an dem nicht fehlen möge!